Tipps zur Selbsthilfe bei wiederkehrenden Erinnerungen und Gedanken

  • Hallo,

    ich hatte vor knapp vier Jahren eine sehr schlimme Zeit und seitdem immer wieder Erinnerungen und Gedanken inkl. Beklemmung daran.

    es gibt ja viele Möglichkeiten damit klar zu kommen, welche haben euch denn geholfen?

    Kennt das jemand dass der Drang immer wieder da ist alles durchzudenken damit nicht mehr wiederkommt? Wie könnt ihr euch wieder stabilisieren um nicht in ein Gedankenkarussel zu verfallen?

    THerapeuten haben mir nicht geholfen, bzw. alles schlimmer gemacht. daher bitte nur Hilfestellungen für die Selbsthilfe anbieten.

    Mir hilft darüber reden leider überhaupt nicht.


    Vielen Dank und Grüße

    koula

  • Hallo koula,


    was Du beschreibst drückt aus, dass die schlimme Zeit eine Verarbeitung in Dir braucht. Es ist 4 Jahre her und trotzdem hat die Zeit es nicht geheilt. Die seelische Verletzung scheint sehr groß zu sein.

    Die Gedanken, Erinnerungen und die Beklemmung sind Reaktionen des Gehirns um mit dieser schlimmen Zeit fertig zu werden. Mit dem immer und immer wiederkehrende Durchlaufen des Geschehenen versucht der Kopf das Unfassbare fassbar zu machen. Das funktioniert an sich auch, aber eben nicht immer.


    Meine Meinung dazu ist diese:

    Du schaffst es nicht selber mit den Geschehnissen umzugehen.
    Ich würde Dir deswegen wieder zu einer Therpie raten - aber ... . Nicht jeder Therpeut passt zu einem. Du solltest Dir (auch wenn es schwer fällt) Zeit bei der Suche nehmen. Du hast, wenn Du gesetzlich versichert bist, die Möglichkeit mehrere Therapeuten zu "probieren". Dazu gibt es je 5 sogenannte probiatorische Sitzungen (Probesitzungen), in denen beide Seiten schauen ob man zusammen passt oder nicht.

    Schade das Du nun schon eine eher negative Erfahrung machen musstest, aber das ist nicht der Normalfall. Wenn Du einen Psychologen gefunden hast, der zu Dir passt, dann wird es für Dich sehr hilfreich sein.


    Ohne Dich bedrängen zu wollen kannst Du ja mal überlegen ob Du nicht Mitglied bei uns werden möchtest. Das ist kostenlos und vor allem ist der Austausch der Mitglieder untereinander außen nicht zu sehen, also geschützt.

    Das aber nur als Anregung.


    Ich hoffe Du kannst noch einmal darüber nachdenken eine neue Therapie zu beginnen (eventuell bei einen Therpeuten der Traumatherapie anbietet, Liste auf Wunsch bei uns).


    Herzliche Grüße:

    Andreas



  • Hallo Koula,

    also das mit den Gedankenschleifen ist bei mir nicht so stark, damit kann ich recht gut umgehen. Es sind für mich die Erinnerungen, die manchmal keine Ruhe geben.

    Lange Zeit hat mir Reden da auch gar nicht geholfen, das hat sehr lange gedauert, bis ich so viel Vertrauen hatte.

    In den Zeiten, wo es zu viel wird und ich da nicht raus komme, hilft mir extrem Fahrrad fahren, einfach rennen, (geht auch im Treppenhaus rauf und runter laufen) oder Holz hacken oder so... Dann ist keine Kraft mehr zum denken oder erinnern da. Manchmal hilft auch laut Musik hören oder ein Hörbuch, so wirklich schöne Geschichten oder super spannendes, was mich so richtig neugierig macht. Das lenkt dann ganz gut ab und gibt schönes zum dran denken.


    LG Allan

  • Vielleicht ist das Wiedererleben eine Art Fehlersuche , das Gehirn versucht das belastende (unfassbare) Erleben durch wiederholen immer wieder abzulegen und einzuordnen aber es gelingt nicht weil während Traumaerleben das Gehirn in einen Modus schaltet, der das unmittelbare Erleben nicht mehr zusammen abspeichert wie im Normalmodus.

    Gefühle, Gerüche und Bilder, Film, Geräusche und Gedanken werden ungefiltert und separat gespeichert. Der Grund ist Körperlicher Ueberlebenstrieb und Funktionieren wie Flucht/Kampf/Erstarren. Irgendwie die Situation überstehen.

    Später kann das Gehirn die Fragmente nicht selber zusammensetzen und als "erledigt" markieren. Ich könnte mir vorstellen dass EMDR schon helfen kann. EMDR soll ja verknüpfen im Kopf. Hattest du denn auch spezielle Traumatherapeuten und die konnten dir nicht helfen?


    Ansonsten hilft mir auch nur Ablenkung wie Allen beschrieb. Klappt aber nicht immer weil ich meistens nicht einfach die Denkschlaufen beenden kann. Uebungen um im Hier und Jetzt bleiben zu können vielleicht?

    Sprüche auswendig lernen.

    Zählen, Kopfrechnen oder Humor kann auch helfen. Nachrichten ansehen, Rätsel lösen oder Buch lesen falls die Konzentration reicht. Stricken ist leider ziemlich genial um Ruhe im Kopf zu kriegen.

    Mudras sollen auch helfen, das sind Handbewegungen, das geht auch wenn man Starr ist manchmal recht gut. Düfte helfen mir auch, aber nur welche die ich sehr mag.

    Sinne benutzen falls das positiv wirkt und aushaltbar ist, Hören,Sehen, Tasten,Riechen...usw.


    Konzentration also auf etwas kleines, ablenkendes, fokussiertes das die Konzentration und Aufmerksamkeit nicht überfordert weil man in diesen Denkschlaufen schwer Konzentration auf etwas anderes hinkriegen kann. Es ist aber möglich sofern man klein anfängt und nicht allzu hohe Leistungsanforderungen an sein Gehirn stellt. Steigerung ist ja möglich wenn du was gefunden hast, das funktionieren kann.

    Philosophie  philosophia, wörtlich <3Liebe zur Weisheit

  • Vielen Dank für euere Antworten.


    Was mir am meisten zu schaffen macht ist, dass ich nach den Jahren immer noch nicht an das Erlebnis denken kann, obwohl es wohl für die meisten Menschen gar nicht so schlimm gewesen wäre, also längst vergessen. warum kann ich es also nicht vergessen? ich weiß schon dass jeder Sachen anders bewertet und wahrnimmt aber es deprimiert mich unheimlich dass es einfach nicht leichter wird. Meine Lebensumstände haben sich extrem verbessert und stabilisiert ( allerdings erst vor einem Jahr) und es ärgert mich nun umso mehr, dass ich mich immer noch nicht richtig wohl fühlen kann bzw. wenn ich mich mal richtig wohlfühle es mich noch mehr nach unten zieht wenn Gedanken/Erinnerungen/Gefühle wieder hochkommen.



    Meine THerapieversuche waren bisher keine Experten in dem Thema da ich erst seit ein Monaten weiß was es ist. Klar kann ich es nochmal versuchen mit Verhaltenstherapie, worin ich den meisten Nutzen sehe.

    Aber die Angst dass es nie aufhört ist sehr vorherrschend und was kann da ein Therapeut schon dagegen machen?


    Kann mir jemand Hoffnung machen dass es doch irgendwann besser wird?


    Danke und lg

    koula

  • Koula ein Therapeut kann machen was Du nicht hinbekommst - Denkanstöße geben und ein Umdenken aktivieren. Er kann Dir helfen mit der gezielten Aufarbeitung und er kann Dir aus der Gedankenspirale helfen herauszukommen. So wie ein Chirurg bei einem Bruch die Knochen richten kann, damit es wieder sauber zusammenheilt. Die Seele ist da nicht anders.


    Bitte verabschiede Dich von den Gedanken andere könnten damit besser umgehen. Das ist alles müßig und bringt Dir nichts.

    Überhaupt woher weißt Du, dass das Erlebte nicht andere auch verändert hätte? Manche davon sicher sogar noch schlimmer.

    Es hängt alles mit Dir, Deiner inneren Konstellation zusammen. Es ist wie es ist. Einige erwischen den Grippevirus, andere nicht, warum? Es ist eben so. Aber selbst wenn es eine Antwort darauf gibt ändert sie nichts daran, dass es Dich erwischt hat.


    Hoffnung auf Besserung kann Dir niemand machen. Wichtig ist ein Schritt vor dem anderen zu machen und erst einmal mit einem Therapeuten die Vorgehensweise zu besprechen. Er wird merken wo der Schuh am meisten drückt.

    Aber wenn Du vielleicht mal das Handwerkszeug mitbekommst, um Dich in schimmen Phasen selber wieder herauszuholen, dann ist das doch schon mal den Aufwand wert. Außerdem braucht alles seine Zeit. Wieviel muss sich erst zeigen. Und wieweit Du dann kommst auch. Aber suche Dir Hilfe. Deshalb gibt es sie doch.


    Grüße:

    Andreas



  • Hallo Andreas,


    du schreibst,auf Wunsch auch Traumatherapèuten,Liste,in einem vorigen Beitrag.Ich bin dran,wegen meiner Therapiesuche,wäre aber über Unterstützung dankbar.Ich habe eine PTBS mit mit Depi.


    Ella

  • Hallo Ella,


    Du findest hier eine Möglichkeit nach entsprechenden Therapeuten zu suchen.

    Bitte achte darauf ob Deine Krankenkasse eine reine Traumatherapie auch bezahlt. Das ist leider nicht immer so.


    Noch etwas:

    Du hast Dich als Mitglied registriert und hier, unter "Austausch mit Gästen", geschrieben. Wenn Du Als Mitglied aufgenommen werden möchtest stelle Dich bitte noch kurz im "Vorstellungsbereich" vor. Danach wirst Du frei geschaltet.

    Das musst Du aber nicht. Stellst Du Dich nicht vor lösche ich Deinen Account. Du kannst Dich aber trotzdem hier mit uns weiter austauschen.


    Grüße:

    Andreas

  • Was mir am meisten zu schaffen macht ist, dass ich nach den Jahren immer noch nicht an das Erlebnis denken kann, obwohl es wohl für die meisten Menschen gar nicht so schlimm gewesen wäre, also längst vergessen. warum kann ich es also nicht vergessen?

    Hallo Koula,


    wie schlimm oder nicht so schlimm einschneidende Erlebnisse für andere sind, können Außenstehende nicht beurteilen - und das sollten sie auch nicht tun.

    Ich habe den Eindruck, dass du dich sehr unter (Genesungs-)druck setzt und dich dabei an dem orientierst, was du anderen zuschreibst. Das brauchst du nicht. Es ist normal, dass es dir so geht.

    Es gibt Ereignisse und Krisen, die für einen selbst so dramatisch sind, dass sie in der Person etwas verändern. Das kann man nicht so einfach wegwischen, um zur Tagesordnung zurück zu kehren. Das braucht Zeit.

    Hinzu kommt die Verarbeitungsleistung. Was du eingangs beschrieben hast, klingt für mich, als würdest du über bestimmte Dinge grübeln bzw. immer wieder "durchkauen". Dieses Durchkauen ändert jedoch nichts, da die Dinge, die Dich beschäftigen, in der Vergangenheit liegen und du diese nicht ändern kannst. Die Dinge, die hinter dir liegen, sind vorbei.

    Zum Ablegen und Abschalten von Dingen gibt es die Tresorübung von Luise Reddemann. In gesprochener Fassung kannst du sie auch im Internet finden.

    Wenn dir Reden nicht hilft, könntest du ausprobieren, ob es dir hilft, die Dinge niederzuschreiben. Jedoch nicht, um sie festzuhalten, sondern im Gegenteil - um sie loszulassen, Abstand zu bekommen und wieder im Hier und Jetzt zu landen, um offen für die Gegenwart zu sein.


    VG

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